Donnerstag, 26. März 2009

Eine andere Art "schön" zu werden

Was ist Schönheit ?
In jedem Fall ist sie abhängig vom Standpunkt und Bewusstseinsgrad des Betrachters:

“…wie ich die Schönheit und das Heilige in der Unvollkommenheit des Lebens entdecke. Das geht so: Ich sage mir, dass alle Dinge vom Göttlichen künden und so besitzen sie auch alle eine ihnen innewohnende göttliche Schönheit. Ob ich in Pornografie, Sex und in ekstatischen Orgien diese göttliche Schönheit sehen kann, hängt weniger von dem Objekt meiner Betrachtung ab, sondern mehr vom Bewusstseinsgrad meiner Entwicklung.” -S.G.-

Nach dieser Betrachtung ist Schönheit etwas ganz persönliches, im folgenden zwei individuelle Beispiele:

Wenn ein Mann nach getaner Arbeit mit einem Bier vor dem Fernseher sitzt und ihn ein Anfall von Hypertonie “überrascht”, wenn Monica Bellucci auf der Bildfläche erscheint, dann repräsentiert sie für ihn in diesem Moment die “Schönheit” in Person und das macht ihm Freude. Weitere Ausführungen seien der Phantasie überlassen.

Ein anderes Beispiel:

Als angenehm empfindet es eine Frau (natürlich auch ein Mann), wenn ihrer “Schönheit” Tribut gezollt wird und ihr Komplimente gemacht werden. Vielleicht ist sie auf einer Party oder in einer Discothek, oder in einem feinen Lokal und ihr wird dabei ein Wein angeboten. Der Partner, der ihr das Kompliment gemacht hat, steht vielleicht gleichsam unter Alkohol. Hier tritt der vom Subjekt empfundene, und wie man sehen wird, stark dehnbare "Schönheitsbegriff", besonders deutlich hervor.

Warum dehnt sich der Schönheitsbegriff bei Alkohol?

Er kann den Schönheitsbegriff auf Hässliches erweitern und verwischt damit die Grenzen zwischen beiden: was im Alltag kaum angerührt worden wäre, wird dann greifbar und schön. Anders ausgedrückt: "Durch Bier werden "hässliche" Frauen zu Alba, Autobahnen zu 6 spurigen Rennpisten und Hertha Meister!"

Galt in der Philosophie des Mittelalters Schönheit als “Glanz der Wahrheit”, so ist also tendenziell in der Neuzeit Schönheit nicht mehr als Eigenschaft von etwas definiert, sondern wie wir gesehen haben, vom Urteil des einzelnen abhängig ist. Wohin das führt habe wir gesehen.

Das Paradigma des freien Schönheitsbegriffes führt dahin, das sich “Schönheit” und “Ästhetik” aus den Augen verlieren: Schönes wird hässlich und Hässliches schön. Kann das gewollt sein ? Die Auswirkungen sind verheerend und unsere Mode, das Fernsehprogramm sind nur ein Ausdruck davon. Vielleicht ist es auch mein Geschmack, der meine Wahrnehmung trübt und diesen Verfall als etwas postuliert, das unserer Menschheit nicht zu wünschen ist. Ich frage den Leser dieses Artikels!

Wenn ich "richtig" liege, wo kann ich nun das “Schöne” suchen, von dem unsere Vorfahren sagten, das es ein “Glanz der Wahrheit” sei ?

In der klassischen Antike versuchte man einen ästhetischen „Einklang“ anzustreben. Was bedeutet das? Es ging zB in der Kunst darum, “in einer konkreten, individuellen Gestalt (Skulptur), das Allgemeine und Bleibende(Ewige, "Göttliche) darzustellen, die Beziehung zwischen dem einen und dem anderen deutlich werden zu lassen.”

Dort entstand also “Schönheit”, wenn sich ein Ideal zur Wirklichkeit kristallisierte und sich das Zeitliche mit dem Ewigen verband.

Wie wir sehen scheitert nach tausenden von Jahren unsere Kultur an diesem "Schönheitsideal".
Gewiß nicht überall.

Wie wird man also nach dieser Idee “Schön” ?

Wenn der einzelne Mensch Berührungspunkt wird für das “Göttliche”(Ideal, das Ewige - wie immer man das auch nennen mag) auf Erden. Wenn wir Menschen Notwendigkeit und Freiheit verbinden können. Wenn Sinnlichkeit und Vernunft sich in der menschlichen Seele versöhnen und zwischen Einbildungskraft und Erkenntnisvermögen unterschieden werden kann. Wenn "Willkür" und Gesetz Frieden schließen, Natur und Kultur Geschwister werden, dann entsteht Schönheit auf eine Art und Weise, die vielleicht heute noch kaum vorstellbar ist und die dem modernen “freien Schönheitsbegriff” die Frage der Existenzberechtigung stellt.

Kommentare:

Der alte Goethe hat gesagt…

Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen
Und haben sich, eh' man es denkt, gefunden;
Der Widerwille ist auch mir verschwunden,
Und beide scheinen gleich mich anzuziehen.

Anak hat gesagt…

lieber christoph,
meine engelkarten druecken folgendes aus:
Schoenheit
Wenn die Form Ewigkeit wiederspiegelt, kommt Schoenheit zum Vorschein.
liebe gruesse
anka