Montag, 30. November 2009

Verwende die Welt als Spiegel, aber glaube nicht an den Spiegel

Ich wollte auf eine Frage bezüglich des letzten Textes anworten, da sie aber zu groß geworden wäre, ist sie nun hier zu lesen.

Ich erlebe meine Bewusstsein, mein Denken, oder auch "Ich", in großen Teilen getrennt von der Welt, die mich umgibt. Sie steht mir zunächst als etwas Fremdes gegenüber. Ich weiß aber auch, dass der Mensch -unter vielen anderen Aspekten- ein Resultat jahrmillionen Jahre langer Prozesse ist, und irgendwann in dieser Entwicklung ein Bewusstsein eingetreten ist, dass so geartet ist, wie man es heute vorfindet. Durch dieses Bewusstsein, durch diese „Grenz-setzende-Funktion“ des "Ich", die entscheidet zwischen "Ich" und "nicht-Ich", ensteht ja erst "Welt". In dem Augenblick, aus dem sich aus einer "Einheit" etwas ausgrenzt, entsteht ein "Ich", entsteht die Individualität, beginnt unser Weg in der Polarität. Durch dieses „Ich“ gibt es aber: "Ich","Du";"Innen","Außen";"Ich","Welt". Wenn Du nun das "Ich" wegnimmst, ist auch "Welt" weg. Das heißt Welt ist nur das, wozu Du nicht "Ich" sagst. Du hast also Welt in der Hand. Bei all den Diskussionen und all den wissenschaftlichen Theorien tut man immer so, als sei eine "Welt" da. Und dann wird argumentiert: da gibt es ein Klima und da gibt es Gifte und da gibt es soziale Probleme und da gibt es dieses und jenes und zum Schluss steht das kleine „Ich“ in der Mitte, ganz hilflos, und wird bedrängt von so vielen Dingen, die um es herum sind. Und so lange man in diesem Modell bleibt, so lange ist man in einer Opferrolle. Deswegen gibt es auch letztendlich keine Problemlösungen. Es wird von denen geredet, es wird getagt, wird entwickelt, aber nach 10 Jahren stellt man fast, man ist noch genauso in den Problemen darin, wie vorher. Denn wenn man in dem Konzept bleibt: "Ich" steh in der Mitte und um mich herum ist so vieles und das um mich herum muss ich alles verbessern, und wandeln, dann kommt man in eine ganz hoffnungslose Situation: Man muss warten bis die Welt sich verbessert hat, man ein Mittel gegen Aids gefunden hat, bis die Großgrundbesitzer keine Großgrundbesitzer mehr sind, bis alle eingesehen haben das man keine Bäume mehr fällen darf, bis die nicht mehr Auto fahren, bis die das machen, das machen usw. Man steht da mit Forderungen "die Welt soll verbessert werden" und wartet bis die Welt verbessert ist. Da kann der Einzelne lange warten, ich verspreche, über dieses warten wird man einmal sterben und die Welt hat sich nicht verbessert. Man kann bei Philosophen die 2000 Jahre alt sind nachlesen und wenn man nicht wüsste, dass die Texte 2000 Jahre alt sind, sie könnten erst gestern geschrieben worden sein. Die hatten die gleichen Probleme, auch wenn sie formal andere Namen trugen und anders aussahen. Der wesentliche Schritt ist zu begreifen, das wir völlig unabhängig sind von allem, was Außen ist, denn das Außen ist nur von uns Selbst gemachtes Außen, weil wir es nicht zum Innen gemacht haben. Es ist nur das, was auf uns wartet, zum Innen gemacht zu werden: Welt wird dadurch verbessert, das der Mensch die Welt erlöst. Die Welt wird dadurch erlöst, das der einzelne sie hinein nimmt , das Du aus Außenwelt, Innenwelt machst. Das führt nicht zur Veränderung der Welt, sondern des Menschen. Das heißt der Mensch muss aus der Welt heraus wachsen, nicht die Welt sich verändern Die Welt ist eine Spiegelfunktion und in der Welt spiegeln sich alle ungelösten Probleme des Menschen. Verwende die Welt als Spiegel, aber glauben nicht an den Spiegel. Das ist ein riesen unterschied. Es sollte mal sehr bewusst werden, das der Mensch bereits auf der körperlichen Ebene sich nicht ganz sehen kann. Wenn wir unseren Körper anschauen sehen wir die Hälfte nicht. Teilweise dich wichtigsten Dinge nicht: wir sehen unser Gesicht nicht, wir sehen die Augen nicht. Eine unglaubliche Ironie: das womit wir sehen, können wir nicht sehen. Sie können jetzt einen Menschen der sagt : „ich sehe aber mein Gesicht nicht und ich sehe meine Augenfarbe nicht“ nicht sagen, „schau doch mal etwas genauer hin“. Das bringt nichts, er kann es nicht sehen. Wir sind auf der Körperebene blind für die Hälfte unseres Seins. Dasselbe gilt auf der nächsten Ebene: Psyche. Unsere Psyche ist zwingend blind für die Hälfte unseres Seins. Das meint ja übrigens der alt-testamentarische Mythos vom Sündenfall, mehr erklärt er nicht in wunderschönen Bildern. Der Mensch ist blind für die Hälfte seines Seins. Diese Hälfte erlebt er nun als Außen, weil er sie selber an sich nicht sieht, nicht sehen kann. Oder ich gehe nochmal zurück auf den Körper: wenn Du nun das Verlangen hast, deinen ganzen Körper zu sehen, dann gibt es keine andere Möglichkeit, als wie den Umweg über einen Spiegel. Man stellt Dir einen Spiegel hin, also ein Außen, ein Gegenüben das reflektiert. Und nun kommt es sehr darauf an, wie Du mit ihm umgehst. Machen wir mal ein ganz naives spiel, so fast auf der Tierstufe. Und du kennst die Tiere die sich spiegeln und an das Spiegelbild glauben. Wenn sie jetzt jemanden, der seine Augenfarbe kennenlernen wollte, einen spiegel hinstellen und sagen: „schau hin“, und er versteht in seinem Bewusstsein die Funktion des Spiegels nicht, würde er sagen: „Was soll das? Ich seh zwar das der zwei grüne Augen hat, interessiert mich aber gar nicht sehr, denn ich wollte wissen, welche Augenfarbe ich habe“. Dann sagt man ihm: „das sind deine Augen“. dann sagt er: „das sind nicht meine Augen, meine Augen sind hier und die sind dort“. Wenn er also nicht bereit ist, über ein Bewusstseinsprozess den Spiegel zu begreifen, führt das in unglaubliche Missverständnisse und dummes Argumentieren. Was hier so naiv wirkt, machen momentan fast alle Menschen auf der psychischen Ebene, spielen genau dieses spiel mit einer Verbissenheit, über die man sich manchmal wundern kann. Der Spiegel ist die einzige Möglichkeit, den verlorenen Teil wieder zu finden, so wie der physikalische Spiegel die einzige Lösung ist, das Wissen über unser Gesicht, Augen und über die Körperteile zurück zu erobern. Aber der physikalische Spiegel verlangt von uns den Bewusstseinsakt der Rücknahme der Projektion. Nur wenn Du bereit bist zu sagen: „obwohl ich es dort sehen, weiß ich, das es hier ist“. Das ist ein reiner Bewusstseinslage, zu dem kann man sich physikalisch nicht zwingen. Nur wenn man diesen Schritt macht, nützt Dir das Spiegelbild etwas, sonst verlierst Du dich in der Täuschung. Auf der psychischen ebene heißt der spiegel "Welt".

"Wie können wir uns wieder erinnern?" Wenn man beginnt die Projektionen zurückzunehmen, dann ist das vielleicht eine Möglichkeit sich wieder zu er-innern.

(dieser Text ist vom Inhalt zu Teilen aus einem Vortrag von T.Dethlefsen entnommen und inspiriert)


Samstag, 7. November 2009

Klangkörper


Wenn wir Instrument sind, vielleicht Klangkörper für eine Musik die wir noch nicht ganz begreifen, wer spielt uns ? Und wenn wir gespielt werden, wo ist dann unsere Freiheit?
Es gibt Menschen die sagen, dass wir die Musiker sind. Andere treten als Werkzeug einer Idee in die Welt, wollen Klangkörper sein für ein Prinzip an das sie glauben.

Was, wenn wir vergessen haben, dass wir es sind, die das Instrument gebaut haben auf dem wir spielen?

Montag, 26. Oktober 2009

Eine Seele, die so alt ist wie die Geschichte unserer Welt


Ich habe sie gesehn. Es war Herbst und die Blätter fielen goldgelb
von den Bäumen. Die Luft roch nach frischem Laub und durch die
Baumkronen schien die Sonne auf den schmalen Pfad,
der mich immer tiefer in den Wald führte.

Sie stand vor einem See. Weit gereist durch Zeiten,
erwacht im Leben durch den Tod. Mußte fallen, steigen
- Zeitlos.
Welche Orte hatte sie gesehen, fern von der
Heimat?
Nur der Wind rauschte in den Blättern, aber so sehr
ich ihm zuhörte, allein aus meinem Innern stieg die Ahnung von
der Größe dieses Weges.
Aus den Tiefen ihrer Augen eine Antwort.
Doch woher kam sie, wohin wollte sie gehen?
Der Körper erschien mir fast zerbrechlich.
Eine Seele, die so alt ist wie die Geschichte
unserer Welt, ein Körper, so alt wie der Morgen.

Sie stieg in ein Boot und fuhr in die Mitte des Sees;
Nebel stieg auf und ich verlor sie aus dem Blick.
Ich weiß nicht wohin sie gegangen ist,
aber seit jenem Tage weiß ich,
dass sie irgendwo da draußen ist:
der Wind und der See haben sie gesehn.

Samstag, 10. Oktober 2009

are you listening


Es gibt eine Welt hinter der Sichtbaren.
Man hört sie nicht, sieht sie nicht, aber sie ist da.
Man hört sie und sieht sie.

Wer in die Stille geht, wird hören.
Wer in die Stille geht, wird sehen.


Montag, 21. September 2009

Am Bahnsteig des Lebens


Am Bahnsteig des Lebens -
Warten, damit das Erwartete eintritt.
Auf Durchreise.
Warten auf die Stimme die uns sagt, dass wir den richtigen Weg gwählt haben;
Hast du den richtigen gewählt?
-Ich sehe nocheinmal auf meine Fahrkarte-
Wann hast du dich entschieden diesen Weg zu gehen?
Ich denke:
Jede Reise ist neu.
(Und auch wenn es scheint, als wäre die Heimat gefunden,
So zieht es die Seele wieder hinaus, denn sie will weiter)
- Warten am Bahnsteig

Sonntag, 20. September 2009

Türen


Es sind die qualvollen Stunden die uns Stille machen und eine offene Tür,
Die uns des Lebens entläßt.
Doch der Tod bleibt nur ein Durchgang, zu den andern Ufern des Lebens.
Vielleicht schon geschieht es im Leben,
Das einer wacht und durch die Schwelle tritt.
Den anderen wird dann, wenn alles entgleitet,
Die Stunde des Todes Helfer und Führer sein:
Dann werde sie sehen, das ihr Leben nur Gleichnis war
Und das ihr Sterben Fortschreiten ist.

Ich lese bei Rilke:
"Freilich ist es seltsam, die Erde nicht mehr zu bewohnen,
kaum erlernte Gebräuche nicht mehr zu üben,
Rosen, und andern eigens versprechenden Dingen
nicht die Bedeutung menschlicher Zukunft zu geben;
das, was man war in unendlich ängstlichen Händen,
nicht mehr zu sein, und selbst den eigenen Namen
wegzulassen wie ein zerbrochenes Spielzeug.
Seltsam, die Wünsche nicht weiterzuwünschen. Seltsam,
alles, was sich bezog, so lose im Raume
flattern zu sehen. Und das Totsein ist mühsam
und voller Nachholn, dass man allmählich ein wenig
Ewigkeit spürt. - Aber Lebendige machen
alle den Fehler, dass sie zu stark unterscheiden.
Engel (sagt man) wüssten oft nicht, ob sie unter
Lebenden gehn oder Toten. Die ewige Strömung
reißt durch beide Bereiche alle Alter
immer mit sich und übertönt sie in beiden.


Schließlich brauchen sie uns nicht mehr, die Früheentrückten,
man entwöhnt sich des Irdischen sanft, wie man den Brüsten
milde der Mutter entwächst. Aber wir, die so große
Geheimnisse brauchen, denen aus Trauer so oft
seliger Fortschritt entspringt -: könnten wir sein ohne sie?
Ist die Sage umsonst, dass einst in der Klage um Linos
wagende erste Musik dürre Erstarrung durchdrang;
dass erst im erschrockenen Raum, dem ein beinah göttlicher Jüngling
plötzlich für immer enttrat, das Leere in jene
Schwingung geriet, die uns jetzt hinreißt und tröstet und hilft."

(R.M.Rilke - Auszug aus der ersten Duineser Elegie)

Samstag, 29. August 2009

Im Spiegel der Zeit

Wo bleiben eure Fragen ?
Am Tage sucht ihr den Frieden -scheinbar,
um in der Nacht ungestört hinter der Maske eures Daseins das alte Lied zu singen.
Wo bleiben eure Antworten ?
Ihr redet von Fortschritt und verständnissvoll legt ihr die Arme um die Lügen eures Nächsten.
In euren Taten: keinen Meter schreitet ihr voran.
Wenn ihr doch den Sinn verliert, verliert ihn ganz-
Etwas Neues und Ganzes zu werden bleibt unsere einzige Hoffnung.

"Aber inmitten dieser rerum concordia discors und der ganzen wundervollen Ungewissheit und Vieldeutigkeit des Daseins stehen und nicht fragen, nicht zittern vor Begierde und Lust des Fragens, nicht einmal den Fragenden hassen, vielleicht gar noch an ihm sich matt ergötzen — das ist es, was ich als verächtlich empfinde, und diese Empfindung ist es, nach der ich zuerst bei Jedermann suche: — irgend eine Narrheit überredet mich immer wieder, jeder Mensch habe diese Empfindung, als Mensch. Es ist meine Art von Ungerechtigkeit."

(F.Nietzsche aus "Die Fröhliche Wissenschaft" erstes Buch)